Hummel-Hummel

Oft steht man als Imker vor Rätseln am Bienenstand und weiß nun gar nicht, was nun wieder in dem einen oder anderen Bienenvolk vorgeht. Wenn dann auch noch Heerscharen von Hummeln den Bienenstand bevölkern, nimmt man schon mal den Imkerschleier ab, um sich fragend die Plete zu kratzen.

Seit Anfang Juli flogen ab dem frühen Vormittag recht kleine Hummeln ihre Kreise um meinen Bienenstand, unterflogen die aufgebockten Beuten ohne Unterlaß und verschwanden auch schon mal im Einflugloch der Bienen. Hummeln als Honigdiebe?

Der 17.Juli brachte die Erkenntnis: die Hummeln hatten sich meinen Bienenstand als Drohnensammelplatz auserkoren!
Die Männchen der Hautflügler, Drohnen genannt, versammeln sich auf geheimnisvolle Weise an bestimmten Plätzen der Landschaft und erwarten junge Königinnen, die auf dem Hochzeitsflug sind und sich begatten lassen wollen.

Innerhalb einer halben Stunde des sonnigen Vormittags trafen auf meinem Garagendach drei Hummelköniginnen ein, die von den kleineren Drohnen im Flug abgefangen wurden. Die Hochzeitspärchen gingen zu Boden, der Liebesakt gestaltete sich etwa eine halbe Stunde lang (Chapeau!), während der Großteil des Begattungsaktes in der Suche nach der richtigen Begattungsposition des Männchens bestand. Das Foto zeigt die "Aufwärmphase". Das Hummelmännchen hatte die Königin zu Boden gebracht und sich auf ihrem Rücken plaziert. Dann wanderte das Männchen am Abdomen der Königin nach hinten, während der Spermienübergabe stand es freischwebend im rechten Winkel von seiner Angebetenen ab. Nach etwa einer halben Stunde striff die Königin den deutlich geschwächten Drohn ab, der sich noch zu einer kleinen, letzen Flugrunde aufrappelte, bevor er starb.
Die Königin ist nicht sofort abgeflogen, sondern hat sich erstmal eine Verschnaufpause unter den Bienenbeuten gegönnt.

Bemerkenswerterweise teilten sich Erdhummel und Steinhummeln den selben Drohnenplatz, vielleicht angezogen von dem intensiven Lindennektarduft, der den Bienenbeuten zu dieser Zeit entströmte.

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